Wer sich einbürgern lassen will, muss «mit den schweizerischen Lebensverhältnissen vertraut» sein. Viele Kantone prüfen Ihre Kenntnisse deshalb mit einem schriftlichen Test, mit Fragen in einem Gespräch oder mit einem Kurs, der mit einer Prüfung endet. Das Format ist von Kanton zu Kanton anders: Dieser Guide zeigt Ihnen, was Sie erwartet und wie Sie sich gezielt vorbereiten.
Was das Gesetz verlangt
Nach Art. 2 BüV brauchen Sie Grundkenntnisse der geografischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz, nehmen am sozialen und kulturellen Leben teil und haben Kontakte zur Bevölkerung. Derselbe Artikel sagt, dass der Kanton einen Test verlangen kann und Ihnen dann ermöglichen muss, sich darauf vorzubereiten. Es gibt also keinen einheitlichen Test des Bundes: Der Kanton bestimmt die Form, die Zahl der Fragen und die Bestehensgrenze. Auch ch.ch hält fest, dass manche Einbürgerungsbehörden einen schriftlichen oder mündlichen Test machen.
Der Test kommt zu den anderen Voraussetzungen dazu (Bewilligung C, Aufenthaltsdauer, Integration, Sprache), die in den Voraussetzungen der Einbürgerung beschrieben sind.
Die Inhalte: Schweiz, Kanton und Gemeinde
Die Fragen betreffen fast immer vier grosse Themen, auf drei Ebenen:
| Thema | Beispiele |
|---|---|
| Geografie | Regionen, Seen und Flüsse, Kantone und Hauptorte, Landessprachen, Nachbarländer |
| Geschichte | Bundesbrief von 1291, Marignano, 1848, Frauenstimmrecht, Gründung des Kantons Jura |
| Politik | Föderalismus, Bundesrat, Bundesversammlung, direkte Demokratie, Rechte und Pflichten |
| Gesellschaft | AHV und Krankenkasse, Schule und Lehre, Arbeit, Feste und Bräuche, Alltag |
Dazu kommen Fragen über Ihren Kanton (Institutionen, Geschichte, Regionen) und oft über Ihre Gemeinde. Im Kanton Zürich zum Beispiel umfasst der Grundkenntnistest Fragen über Geografie, Politik und Geschichte der Schweiz, des Kantons und des Gemeindewesens (zh.ch).
Zwei Fragen aus dem Kurs
Kann die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident für das folgende Jahr wieder zur Präsidentin oder zum Präsidenten gewählt werden? Antwort: Nein, nicht für das folgende Jahr. Das Präsidium wird für ein Jahr aus den sieben Mitgliedern des Bundesrats gewählt (BV, Art. 176).
Wer kann ausser 50’000 Stimmberechtigten ein Referendum gegen ein Bundesgesetz verlangen? Antwort: acht Kantone, innert 100 Tagen (BV, Art. 141). Verwechseln Sie das nicht mit der Volksinitiative: 100’000 Unterschriften in 18 Monaten.
Die Formate in der Deutschschweiz
Das veröffentlichen die Kantone und Gemeinden. Einzelheiten (Anmeldung, Gebühren, Termine) finden Sie im jeweiligen Guide des Kantons.
| Kanton | Form | Was veröffentlicht ist |
|---|---|---|
| Zürich | Grundkenntnistest (GKT) | 50 Fragen aus einem Katalog von 350 Fragen (Gemeinde Maur). Der Kanton veröffentlicht die Liste aller Fragen, eine Lernbroschüre und einen Übungstest. Sie können den Test vor oder nach dem Gesuch ablegen; die Gemeinde sagt Ihnen, wann und wo. Die Gebühren hängen von Gemeinde und Testanbieter ab (zh.ch). |
| Bern | Schriftlicher Multiple-Choice-Test | 48 Fragen mit je vier Antworten, 90 Minuten, ohne Unterlagen; bestanden mit 29 richtigen Antworten (60 %) (Mustertest). Die Bestätigung gehört zum Gesuch; die Kosten bezahlen Sie selbst (be.ch). |
| Aargau | Staatsbürgerlicher Test am Computer | 45 Aufgaben aus rund 330 Fragen, 40 Minuten; bestanden mit mindestens 34 richtigen Antworten. Gebühr Fr. 50.–, ab 16 Jahren, vor dem Gesuch; der Nachweis darf bei der Einreichung höchstens sechs Monate alt sein. Wiederholung frühestens nach zwei Monaten (ag.ch). |
| St. Gallen | Schriftlicher Test, dann Gespräch | Beispiel Gemeinde Walenstadt: Test über Staatskunde, Geschichte und Geografie für alle Personen ab 14 Jahren, auch bei der ARGE Integration Ostschweiz möglich; bei der Einreichung höchstens zwei Jahre alt. Danach folgt ein Gespräch mit dem Einbürgerungsrat (walenstadt.ch). |
| Solothurn | Neubürgerkurs mit Prüfung | Kurs von 20 Lektionen, der mit einer bestandenen Prüfung abschliesst; obligatorisch ab 18 Jahren. Dispensation möglich nach staatsbürgerlichem Unterricht in einer Berufsausbildung oder Mittelschule (so.ch). |
| Schwyz | Gespräch oder Test | Die Einbürgerungsbehörde prüft die Grundkenntnisse über Gesellschaft und Politik in Schweiz, Kanton und Gemeinde im persönlichen Gespräch oder mit einem Test; alternativ eine Prüfung bei einer anerkannten Bildungseinrichtung, zum Beispiel am BBZ in Pfäffikon oder Goldau (sz.ch). |
| Zug | Staatsbürgerliches Gespräch | Kein schriftlicher Test. Wer die obligatorische Schule oder Ausbildung nicht in der Schweiz absolviert hat, führt beim Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst ein Gespräch über Geschichte, Staatskunde, Rechte und Pflichten (zg.ch). |
| Basel-Stadt | Gespräche | Das Migrationsamt führt Gespräche mit den Gesuchstellenden, danach lädt die Bürgergemeinde zu einem Gespräch ein (bs.ch). Fragen Sie das Migrationsamt nach der Prüfung der Grundkenntnisse. |
| Luzern | Gespräch in der Gemeinde | Beispiel Gemeinde Adligenswil: Die Bürgerrechtskommission lädt zu einem Gespräch ein; das Merkblatt nennt keinen schriftlichen Test (adligenswil.ch). Fragen Sie Ihre Gemeinde. |
Für die anderen Kantone, etwa Basel-Landschaft, Thurgau, Graubünden, Schaffhausen, Wallis oder Freiburg, lesen Sie den jeweiligen Guide.
Achtung
Was Freunde erzählen oder in Foren steht, betrifft oft einen anderen Kanton oder eine alte Version des Tests. Massgebend sind nur die Unterlagen Ihres Kantons und Ihrer Gemeinde: Verlangen Sie das Lernmaterial schon beim ersten Kontakt.
Wer ist vom Test befreit?
Die Befreiungen legt jeder Kanton fest. Veröffentlichte Beispiele:
- Zürich: Personen, die in der Schweiz die obligatorische Schule oder eine Ausbildung auf Sekundarstufe II besuchen, die fünf Jahre obligatorische Schule in der Schweiz absolviert haben (davon mindestens drei Jahre auf Sekundarstufe I) oder eine Ausbildung auf Sekundarstufe II in der Schweiz abgeschlossen haben (zh.ch).
- Bern: Kinder unter 16 Jahren und Personen mit mindestens fünf Jahren obligatorischer Schule nach Schweizer Lehrplan oder mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe in der Schweiz (be.ch).
- Aargau: Der Test gilt ab dem vollendeten 16. Altersjahr (ag.ch).
Bei einer Behinderung, einer Krankheit oder grossen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben erlaubt Art. 9 BüV, Ihre Situation zu berücksichtigen. Melden Sie das bei der Gesuchseinreichung.
So bereiten Sie sich vor
- Fragen Sie nach dem genauen Format. Schriftlich oder mündlich, Zahl der Fragen, Bestehensgrenze, offizielles Lernmaterial: Die Gemeinde oder das kantonale Amt gibt Auskunft.
- Beginnen Sie mit der Schweiz. Institutionen, direkte Demokratie, wichtige Daten, Geografie, Sozialversicherungen: Diese Grundlagen brauchen Sie in jedem Kanton.
- Nehmen Sie Ihren Kanton dazu. Hauptort, Regionen, Beitritt zur Eidgenossenschaft, Kantonsrat oder Grosser Rat, Regierungsrat, Besonderheiten.
- Nehmen Sie Ihre Gemeinde dazu. Verwaltung, Schulen, Vereine, Anlässe; lesen Sie jeden Monat das Gemeindeblatt.
- Lernen Sie in kleinen Portionen. Zehn Fragen pro Tag bringen mehr als hundert am Abend vorher. Lesen Sie bei jedem Fehler die Erklärung.
- Machen Sie ganze Tests mit Zeitlimit in den letzten zwei Wochen, im Format Ihres Kantons: in Bern 48 Fragen in 90 Minuten, im Aargau 45 Aufgaben in 40 Minuten.
Der Kurs enthält 1’320 Einbürgerungsfragen für 21 Kantone, mit einer Erklärung zu jeder Antwort. Das Programm zeigt, wie sie aufgebaut sind.
Jetzt ausprobieren: das Gratis-Quiz
Zehn zufällige Fragen aus den Serien «Schweiz» des Kurses, mit Erklärungen. Ziel: mindestens 6 richtige Antworten. Machen Sie das Quiz einige Tage später noch einmal.
Geografie, Geschichte, Institutionen, Alltag: 10 zufällige Fragen aus dem Kurs, mit Erklärungen. Bestanden ab 6 richtigen Antworten.
Sie möchten weitere Beispiele, nach Thema geordnet? Lesen Sie unsere Beispielfragen mit Antworten.
Der Test ist nicht alles
Mit dem bestandenen Test sind Sie noch nicht eingebürgert: Es folgen die Prüfung des Dossiers und oft ein Einbürgerungsgespräch über Ihre Integration. Und das Sprachniveau weisen Sie separat nach (mindestens B1 mündlich, A2 schriftlich, in manchen Kantonen mehr): Lesen Sie das Sprachniveau für die Einbürgerung.