Bevor Sie sich vorbereiten, müssen Sie Ihr Ziel kennen. Das verlangte Niveau hängt von Ihrem Verfahren ab: Aufenthaltsbewilligung B, Niederlassungsbewilligung C, vorzeitige Niederlassungsbewilligung C oder Einbürgerung. Wer zu hoch zielt, verliert Zeit; wer zu tief zielt, riskiert, dass sein Dossier blockiert wird. Diese Lektion hilft Ihnen, Ihr Ziel festzulegen.

Die Mindestanforderungen (Staatssekretariat für Migration)

Verfahren Mündlich Schriftlich
Familiennachzug, Bewilligung B (Erteilung oder Verlängerung) A1 —
Ordentliche Niederlassungsbewilligung C (nach 10 Jahren) A2 A1
Vorzeitige Niederlassungsbewilligung C (nach 5 Jahren) B1 A1
Ordentliche Einbürgerung B1 A2

Das sind Mindestanforderungen auf Bundesebene. Für die Einbürgerung gilt die Sprache Ihres Wohnorts: Wenn Sie in Luzern oder in St. Gallen wohnen, ist es Deutsch; in Biel oder in Freiburg erkundigen Sie sich bei Ihrer zweisprachigen Gemeinde.

Vier Situationen, vier Ziele

Leila wohnt mit einer Bewilligung B in Schlieren. Sie muss ihre Bewilligung verlängern: Ziel A1 mündlich. Sie kann nur den mündlichen Teil machen, Kombination A1–A2.

Tomás wohnt seit zehn Jahren in Luzern und beantragt die Bewilligung C: Ziel A2 mündlich und A1 schriftlich. Kombination A1–A2 für beide Teile.

Amina wohnt seit fünf Jahren in Winterthur und möchte die vorzeitige Bewilligung C: Ziel B1 mündlich und A1 schriftlich. Kombination A2–B1 im mündlichen Teil; im schriftlichen Teil genügt A1–A2.

Goran bereitet in St. Gallen seine Einbürgerung vor: Ziel B1 mündlich und A2 schriftlich. Kombination A2–B1 im mündlichen Teil; im schriftlichen Teil kann er A2 mit der Kombination A1–A2 erreichen, aber auch mit A2–B1.

Achtung

Verwechseln Sie die ordentliche und die vorzeitige Niederlassungsbewilligung C nicht: Die erste verlangt mündlich A2, die zweite B1. Wer sich für die vorzeitige Bewilligung nur auf A2 vorbereitet, muss den mündlichen Teil vielleicht wiederholen. Prüfen Sie im Brief des Migrationsamts, welches Verfahren Sie betrifft.

Brauchen Sie den Test überhaupt?

Der fide-Test ist nicht der einzige mögliche Nachweis. Nach den Regeln des Bundes gilt Ihr Niveau als nachgewiesen, wenn:

  • Ihre Muttersprache eine Landessprache ist (Deutsch, Französisch, Italienisch);
  • Sie die obligatorische Schule mindestens 3 Jahre (Bewilligung) oder mindestens 5 Jahre (Einbürgerung) in einer Landessprache besucht haben;
  • Sie eine Ausbildung auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe in einer Landessprache gemacht haben;
  • Sie ein anderes anerkanntes Sprachzertifikat haben.

Für die Einbürgerung gibt es Ausnahmen für Personen, die das Niveau wegen einer Behinderung, einer Krankheit oder grosser Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben nicht erreichen können. Bewahren Sie nützliche Bestätigungen auf (Schulzeugnisse, Arztberichte) und fragen Sie die zuständige Behörde um Rat.

Achtung bei den kantonalen Anforderungen

Für die Einbürgerung verlangen einige Kantone mehr als das Minimum des Bundes. Laut Presse (Dezember 2025) verlangen Schwyz, Nidwalden und Thurgau B2 mündlich und B1 schriftlich, und auch im Aargau und in Zug gibt es solche Pläne. Der fide-Test bestätigt die Niveaus nur bis B1. Für höhere Niveaus bietet fide das «fide-Dossier» an, das nur für Personen ist, die bereits mündlich und schriftlich B1 haben (CHF 150 laut fide-service.ch).

Tipp

Die Regeln ändern sich. Bevor Sie sich anmelden, prüfen Sie die genaue Anforderung bei Ihrem Kanton oder Ihrer Gemeinde (Migrationsamt, Einwohnerkontrolle oder Einbürgerungsstelle) und verlangen Sie sie wenn möglich schriftlich. Ein nützlicher Satz: «Guten Tag, ich bereite ein Gesuch für die Bewilligung C vor. Können Sie mir bitte bestätigen, welches Deutschniveau mündlich und schriftlich verlangt wird?»

Merke

  • Bewilligung B und Familiennachzug: A1 mündlich. Bewilligung C: A2 mündlich, A1 schriftlich. Vorzeitige Bewilligung C: B1 mündlich, A1 schriftlich. Einbürgerung: B1 mündlich, A2 schriftlich.
  • Ihr Ziel bestimmt die Kombination: A2–B1, sobald Sie B1 brauchen.
  • Der Kanton kann strenger sein: Prüfen Sie es immer.

Jetzt Sie: Notieren Sie Ihr Verfahren und Ihr Ziel (mündlich und schriftlich) im Dashboard des Kurses und machen Sie danach den Einstufungstest, um zu sehen, wie gross die Lücke ist.